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    Lernwerkstatt des Instituts für Sonderpädagogik

    Konzept

    Die Lernwerkstatt ist eine fachrichtungsübergreifende Einrichtung des Instituts für Sonderpädagogik an der Universität Würzburg. Die Angebote der Lernwerkstatt werden genutzt von Studierenden der sonderpädagogischen Lehrämter, der außerschulischen sonderpädagogischen Studiengänge und von den weiteren Lehramtsstudiengängen der Universität Würzburg.

    Lernwerkstätten an lehrerbildenden Universitäten sind keine Selbstverständlichkeit und stehen für ein anderes Lernen von Erwachsenen. Lernwerkstätten an Hochschulen erfahren im deutschsprachigen Raum seit den 1980er-Jahren eine stetige Aufwärtsentwicklung.

    Die Angebote der Lernwerkstatt resultieren aus zentralen Herausforderungen für das deutsche Bildungswesen:

    • Der Realisierung von individualisierten und differenzierten Lernangeboten für die SchülerInnen

    • Der Realisierung eines Gemeinsamen Lernens in heterogenen Gruppen

    • Im System Förderschule

    • An Schulen mit dem Profil Inklusion

    Die Aufgabenfelder der Lernwerkstatt erstrecken sich auf vier Bereiche:

    Beirat der Lernwerkstatt

    Zur Unterstützung der Arbeit der Lernwerkstatt und zur Verankerung der Lernwerkstatt inmitten des Instituts für Sonderpädagogik fungiert der Beirat der Lernwerkstatt, bestehend auf je einem Vertreter der sonderpädagogischen Lehrstühle, einem Vertreter der Studierenden und dem Leiter der Lernwerkstatt.

    Konzeptionelle Zielsetzungen der Arbeit der Lernwerkstatt

    Eine Qualitätsverbesserung des Praxisbezugs in der LehrerInnenbildung wird nicht durch ein Mehr an Praxis, sondern durch eine theoriegeleitete Auseinandersetzung mit unterrichtsrelevanten Themen erreicht, die erarbeitet werden im konkreten Bezug zu den SchülerInnen bei einer begleitenden und abschließenden Reflexion in Bezug auf die Aufbereitung des Gegenstandes, auf Maßnahmen von Individualisierung und Differenzierung sowie auf einen gemeinsamen Unterricht in heterogenen Gruppen. Durch den Einbezug von Studierenden aus verschiedenen Lehrämtern wird frühzeitig ein Kompetenztransfer vorbereitet und ein Verständnis für die jeweiligen Professionsgrundlagen geschaffen. Damit werden schon im Studium die durch Heterogenität und Inklusion entstehenden Anforderungen in der Zusammenarbeit von verschiedenen Lehrämtern im Praxisfeld der Inklusion theoriegeleitet umgesetzt.

    Hierzu bedarf es einerseits einer verstärkten Profilierung mit fachdidaktischen Gegenständen und andererseits einer gezielten Aufarbeitung von fachdidaktischen Herangehensweisen unter Berücksichtigung von unabdingbaren sonderpädagogischen Maßnahmen. Dies kann zu einer win-win-Situation für SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf durch Angebote mit einer gut profilierten Fachlichkeit führen und für SchülerInnen ohne sonderpädagogischem Förderbedarf durch eine verstärkte Berücksichtigung von individuellen Ausgangslagen und entsprechenden handlungsorientierten Angeboten.

    Profitieren können Studierende von verschiedenen Lehrämtern durch die frühzeitige Kooperation und gegenseitige Auseinandersetzung in gemeinsamen Planungsprozessen. Durch die Projektangebote für Schulklassen werden Unterrichtskonzepte, welche die individuellen Lernausgangslagen der SchülerInnen berücksichtigen, und didaktische Materialien, die für Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf entwickelt wurden, in die Unterrichtspraxis vor Ort implementiert.

    In den Lernwerkstattseminaren wird derzeit bereits genau die Schnittstelle zwischen Sonderpädagogik und Fachdidaktik bedient. Ausgangspunkt ist dabei eine theoriegeleitete fachdidaktische Auseinandersetzung mit relevanten Themen für die schulische Praxis. Diese Projektthemen werden einerseits sonderpädagogisch aufbereitet im Sinne einer Handlungsfähigkeit von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Bezug auf das gewählte Thema und andererseits so dargeboten, dass ein gemeinsamer Unterricht in heterogenen Gruppen ermöglicht werden kann. Durch die Projektangebote an Schulklassen in inklusiven Settings oder an sonder-pädagogischen Institutionen findet eine Verzahnung von universitärer Lehre und Forschung mit schulpraktischen Arbeitsfeldern statt. Die Seminarangebote mit den dazugehörenden schulpraktischen Projekten werden mit Studierenden der Sonderpädagogik und der Allgemeinen Schule durchgeführt. Hierzu ist es nötig, die spezifischen Bedürfnisse der SchülerInnen zu eruieren und in die Planungen entsprechend einzubeziehen. Damit werden einerseits Forderungen nach einem individualisierten und differenzierten Unterricht konkret umgesetzt und ein Beitrag zu einem inklusiven Unterricht geleistet in Form von Angeboten für heterogene Gruppen sowie in einem gemeinsamen Lernen an einem gemeinsamen Gegenstand.

    Ausgewählte Aspekte zur Lernwerkstattarbeit an Hochschulen

    •  konzipiert für Erwachsene – Transfer auf reformorientiertes schulisches Lernen im Sinne der Öffnung des Unterrichts (vgl. Pallasch/ Reimers 1990)

    Orte offener Lernsituationen – reformunterstützende Elemente der Lehrerbildung, welche die traditionelle Lehre ergänzen und die Verbindung von Theorie und Praxis positiv beeinflussen können (vgl. Müller-Naendrup 1997)

    ausbalanciert zwischen Wissenschaft, Praxis und leitender Person – gekennzeichnet durch didaktische Kompetenzen, einen reflexiven Praxisbezug und hochschuldidaktische Innovation – vermittelt zwischen didaktisch-praktischen, reflexiven und forschungsorientierten Ansätzen (vgl. Schubert 2003)

    •  Wissen um die Bedeutung der Öffnung von Unterricht führt noch nicht zur Umsetzung. LehrerInnenfortbildung muss sich auf subjektive Veränderungsprozesse einlassen und diese in Form von Workshop, Reflexion und Austausch während des eigenen entdeckenden Lernens konstruktiv unterstützen, so dass sie subjektiv bedeutsam und damit handlungsleitend werden (vgl. Zocher 2000)

    Forschendes und biografisches Lernen in der LehrerInnenbildung kann zu einer weitergehenden Professionalisierung der LehrerInnenbildung führen und damit Möglichkeiten schaffen, die Vorstellungen zur LehrerInnenrolle, zum Lehr- und Lernverständnis und damit zu einer zukünftigen Öffnung des Unterrichts positiv zu verändern (vgl. Bolland 2011)

    Nachhaltigkeit der Angebote durch Personalisierung, Materialisierung und Institutionalisierung – berufliche Handlungskompetenz von Studierenden erweitern (vgl. Franz 2012)

    •  Lernwerkstattarbeit und Inklusion: Kriterien zur Lernwerkstattarbeit; Entwicklungslinien der Inklusion; Gemeinsamer Unterricht in Lernwerkstätten; Gemeinsames Lernen am gemeinsamen Gegenstand (vgl. Goschler 2012)

    Literatur und Literaturempfehlungen

    •   Bolland, Angela (2011): Forschendes und biografisches Lernen. Das Modellprojekt Forschungswerkstatt in der Lehrerbildung. Bad Heilbrunn: Klinkhardt Verlag.

    •  Franz, Eva-Kristina (2012): Lernwerkstätten an Hochschulen. Orte der gemeinsamen Qualifikation von Studierenden, pädagogischen Fachkräften des Elementarbereichs und Lehrkräften der Primarstufe. Frankfurt/Main: Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften.

    •  Goschler, Walter & Heyne, Thomas (2011): Biologie-Didaktik und sonderpädagogische Förderung - Möglichkeiten der Erkenntnisgewinnung in einem gemeinsamen Unterricht in heterogenen Lerngruppen. In: Ratz, Christoph (Hg.): Unterricht im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung - Fachorientierung und Inklusion als didaktische Herausforderungen. Oberhausen: Athena Verlag. S. 191-216.

    •  Goschler, Walter (2012): Lernwerkstätten und Inklusion. In: Breyer, Cornelius & Fohrer, Günther & Goschler, Walter & Heger, Manuela & Kießling, Christina & Ratz, Christoph (Hg.): Sonderpädagogik und Inklusion. Oberhausen: Athena Verlag. S. 227-241.

    •  Goschler, Walter (2014): Mobile Sonderpädagogische Dienste: Inklusion durch Kooperation. In: Fischer, Erhard (Hg.): Heilpädagogische Handlungsfelder. Grundwissen für die Praxis. Stuttgart: Kohlhammer. S. 88-122.

    •  Goschler, Walter (2015): Gemeinsames Lernen in heterogenen Gruppen – Das Pascalsche Dreieck im Spannungsfeld zwischen Individualisierung/Differenzierung und gemeinsamen Lernen. In: Schmude, Corinna/ Wedekind, Hartmut (Hg.): Lernwerkstätten an Hochschulen - Orte einer inklusiven Pädagogik. Klinkhardt-Verlag.

    •  Müller-Naendrup, Barbara (1997): Lernwerkstätten an Hochschulen. Ein Beitrag zur Reform der Primarstufenlehrerbildung. Frankfurt am Main: Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften.

    Kontakt

    Lernwerkstatt des Instituts für Sonderpädagogik
    Wittelsbacherplatz 1
    97074 Würzburg

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